Warum die Mehrzahl von Espresso auf Italienisch nicht ‚due espressi‘ heißt?

Wenn Sie Italienisch als Fremdsprache lernen, ist eines sicher: Sie werden in Fettnäpfchen tappen.

Im Moment mag das sicherlich peinlich sein. Doch jedes Missverständnis hat auch etwas Gutes, denn die neu gelernte Redewendung werden Sie garantiert niemals vergessen.

So erging es mir, als ich „due espressi“ bestellen wollten.

Warum die Mehrzahl von Espresso auf Italienisch nicht 'due espressi' heißt?

Warum die Mehrzahl von Espresso auf Italienisch nicht ‚due espressi‘ heißt?

„Due espressi, per favore“ – bitte nicht!

Ich erinnere mich noch an den erstaunten Blick einer sehr vornehm wirkenden Dame, als ich mich wegen eines Beinahe-Zusammenstoßes mit einem “Scusa” entschuldigte.

Es dauerte einige Zeit, bis ich meinen Fehler bemerkte: „Scusi“ wäre die richtige Endung für die Anrede Sie.

Mit Händen und Füßen, wie es so schön heißt, regelten wir den kleinen Fehltritt und tranken dazu einen Espresso in der Bar. Zum Glück bewahrte mich meine Begleitung vor dem nächsten Fehler, nämlich „due espressi“ zu bestellen.

Auch wenn der kleine Kaffee schnell geht und gerne im Stehen getrunken wird, heißt er in Italien caffè – und so wird er auch geordert.

„Prendo un caffè, per favore“ ist die höfliche Bestellung für einen Espresso. Und verzichten Sie bitte niemals auf ein Bitte. Prego! Soviel Zeit muss sein.

"Prendo un caffè, per favore" ist die höfliche Bestellung für einen Espresso

„Prendo un caffè, per favore“ ist die höfliche Bestellung für einen Espresso

Die Bestellung für zwei Espressi heißt umgangssprachlich übersetzt also: „Prendiamo due caffè, per favore“. Schließlich bestellen Sie jetzt zwei caffè, die Sie sehr wahrscheinlich nicht alleine trinken werden. Dann ersetzt die Pluralform „Prendiamo“ = wir nehmen den Singular “Prendo” = ich nehme.

Bitte, danke, gerne

Wer aber nur einen caffè bestellt, der verpasst etwas. Espresso ist mehr, als nur runde 25 ml aufgebrühte, kräftig geröstete Bohnen.

Einen caffè und ein Cornetto in der Bar – klar. Das ist für Italiener das übliche Frühstück. Uns Deutschen fällt das vor allem zum Frühstück nicht leicht, auf den gewohnten Bohnenkaffee zu verzichten.

Wir aber sind unsere große Tasse Kaffee gewöhnt. Ein guter Kompromiss ist es, in Italien einen Caffè lungo zu bestellen. Einen verlängerten Espresso also, der mit der doppelten Menge Wasser zubereitet wird.

Italiener trinken Espresso mit viel Zucker

Richtig stark ist Espresso als Caffè ristretto. Eng und beschränkt (ital. ristretto) wird hier die Wassermenge. Die Hälfte vom normalen Quantum reicht.

Und gerade der Espresso sollte süß genossen werden. So sehen es zumindest die Einheimischen.

Wer, wie ich, Espresso lieber ohne Zucker trinkt, macht das am besten unauffällig. Sonst könnten liebevoll-spöttische Kommentare wie „mangia patate“ (ital. Kartoffelfresser), der Bezeichnung für Deutsche, laut werden.

Auch beim Cappuccino outen wir uns gerne mal als unerfahren. Niemals, auf gar keinen Fall würden Italiener diesen nach dem Essen trinken. Ein Cappuccino, der Espresso mit Milchschaumhaube, ist nämlich fast schon eine Mahlzeit für sich.

Espresso, der schnelle Kaffee für jede Tageszeit

Für die Italiener ist jeder Espresso eine Gelegenheit, sich mit Freunden, den Amici, in der Bar zu treffen. Vor der Arbeit, mittags und erst recht am Feierabend.

Noi Tedeschi, wir Deutschen, sollten uns allerdings bei „Bar“ von unseren Vorstellungen lösen. Weder locken harte Drinks oder Cocktails in Italien die Gäste in die Bar.

Es sind der Caffè und das Leben pur, die in der Bar ihren Schwerpunkt haben. Diskussionen über Politik, den Fußballclub und – naturalmente – über Frauen. Denn nach wie vor, sind die Bars Männerdomänen, Frauen bevorzugen das Straßencafé.

Coretto – Si, signore!

Wenn Sie Alkoholisches mögen, sollten Sie zum Abschluss eines Essens einen „Coretto“ bestellen.

Wenn dann die Augenbrauen des Kellners hochgehen und die Augen sich weiten, ist das ein Zeichen von Verstehen und Anerkennung.

Denn es ist weit verbreitete Sitte, sich nach dem Mahl einen „korrekten“ Kaffee zu gönnen – einen Espresso, mit einer Grappa veredelt. Ja, es heißt „La Grappa“, auch hier tappen wir Tedeschi gerne mal ins Fettnäpfchen.

Heiß soll er sein, süß und schnell muss es gehen, mit dem Genuss von Espresso.